Spaniens Justiz ermittelt gegen Ex-König Juan Carlos

Beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien sollen rund 100 Millionen Dollar Schmiergeld an Spaniens Ex-König Juan Carlos geflossen sein. Nun untersucht das Oberste Gericht des südeuropäischen Landes den Fall.

In einem Skandal um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium hat das Oberste Gericht in Madrid Ermittlungen gegen Ex-König Juan Carlos eingeleitet.

Indizien für Geldwäsche und Steuerhinterziehung

In Zusammenhang mit dem Geld, das er in Sachen „Wüsten-Zug“ erhalten haben soll, hätten die Ermittler nun Indizien für Geldwäsche und Steuerhinterziehung nach 2014 entdeckt, berichteten Medien. Die Unterlagen seien deshalb an das Oberste Gericht weitergeleitet worden. Bei den Untersuchungen gehe es darum, die „strafrechtliche Relevanz der Taten abzugrenzen oder auszuschließen“, die nach der Abdankung von Juan Carlos als König im Juni 2014 erfolgt seien, teilte die Staatsanwaltschaft am Obersten Gericht mit.

Die von mehreren spanischen Firmen gebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mekka und Medina wurde im Oktober 2018 eingeweiht. Für die rund 450 Kilometer benötigt der „Al Haramain“-Schnellzug etwa zwei Stunden. Für die Passagiere, darunter Millionen Pilger, verkürzte sich die Fahrzeit um mehr als 50 Prozent.
Im Jahr 2008 soll der heute 82-Jährige als Vermittler zwischen Scheichen und spanischen Firmen Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen Dollar erhalten haben. Ans Licht kamen die mutmaßlich unsauberen Geschäfte aber erst zehn Jahre später, als Medien 2018 Aufnahmen eines Gesprächs veröffentlichten, bei dem dem Altkönig Korruption und Geldwäsche vorgeworfen wurde.

Die für Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden nahmen bald Ermittlungen auf, die bis heute andauern. Für die knapp vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (von November 1975 bis Juni 2014) genießt Juan Carlos zwar weiterhin Immunität. Für Delikte aber, die nach dem Thronverzicht begangen worden sein könnten, könnte er vom Obersten Gericht – und nur von diesem – zur Rechenschaft gezogen werden.