Portugal: So gering sind Löhne und Gehälter

In Portugal ist die Arbeitslosenrate 2018 unter den Durchschnitt des Euroraums gefallen. Doch die Löhne und Gehälter bewegen sich nur langsam nach oben. Sie bleiben die niedrigsten in Westeuropa. An der Algarve liegen die Brutto-Löhne im Schnitt unter 950 Euro im Monat…

Wie Germany Trade & Invest, Deutschlands Agentur für Außenwirtschaft und Standortmarketing, jetzt berichtet, rangierten die durchschnittlichen Arbeitskosten (Lohn- und Lohnnebenkosten) 2017 in Portugal mit 14,10 Euro pro Stunde deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 26,80 Euro. Sie sind seit 2012 nur um 0,80 Euro gestiegen, wobei ein deutlicherer Aufwärtstrend eigentlich erst ab 2015 einsetzte. Ausgenommen aus diesen Daten sind lediglich Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung,

Industrie-Löhne in Portugal fast 16 Euro unter EU-Durchschnitt

In der Industrie fielen pro gearbeitete Vollzeitstunde durchschnittlich 11,60 Euro an. Das waren 15,80 Euro weniger als im Schnitt der EU. Im Baugewerbe waren es 12, im Dienstleistungssektor 14,50 Euro. Der Betrag für Löhne und Gehälter betrug 11,30 Euro, die Lohnnebenkosten 2,80 Euro.

Löhne nahmen weniger stark zu als in Eurozone

Nach Angaben der Portugiesischen Zentralbank haben die Löhne pro Arbeitnehmer 2017 weiter zugenommen – um 1,1 Prozent gegenüber 2016. Das war weniger stark als in der Eurozone, wo es 1,6 Prozent waren. Die portugiesische Produktivität zeigte 2017 leicht nach unten (-0,6 Prozent). Die Lohnstückkosten nahmen um 1,7 Prozent zu.

Grundsätzlich liegt die Arbeitsproduktivität in den 6.455 Filialen ausländischer Unternehmen, die in Portugal nicht im Finanzbereich arbeiten, höher als in den nationalen. Laut Statistikbehörde INE war sie 2017 mit 45.205 Euro um 18.100 Euro größer. Auch die durchschnittliche monatliche Entlohnung hat in den Niederlassungen ausländischer Unternehmen mit 1.351 Euro ein höheres Niveau gegenüber 943 Euro.

Nur 208 veröffentlichte Tarifverträge – vor der Krise waren es fast 300

Im Jahr 2017 verzeichnete das Zentrum für Arbeitsbeziehungen 208 veröffentlichte Tarifverträge (kollektive und/oder unternehmensinterne), die potenziell 1,3 Millionen Arbeitnehmer erfassten. Ihre Zahl ist gegenüber 2016 gestiegen, aber vom Stand des Jahres 2008 (296) noch entfernt. Im Durchschnitt lagen die vereinbarten Lohnerhöhungen im Juli 2018 bei 1,4 Prozent.

Mindestlohn steigt auf 600 Euro – er wird 14 Mal gezahlt

Der Mindestlohn wurde, ausgehend von den vorgeschriebenen 14 Monatszahlungen, am 1. Januar 2018 von 557 auf 580 Euro angehoben. Eine weitere Erhöhung auf 600 Euro ist für 2019 beschlossen – am Ende der Legislaturperiode. Auf zwölf Monatszahlungen umgerechnet, betrug der Mindestlohn 2018 rund 677 Euro. Unter den westlichen EU-Mitgliedsländern ist er der Niedrigste. Die Mindest-Löhne der mittel- und osteuropäischen Staaten liegen allerdings noch einmal deutlich darunter.

Zwar hat die von den Sozialisten getragene Regierung Portugals die Arbeitslosigkeit massiv senken können, doch geschah dies meist auf der Grundlage “prekärer Verträge“. Von den 125.000 Beschäftigten, die im zurückliegenden Jahr im Privatsektor eingestellt wurden, unterschrieben allein 90.000 solche kurzfristigen prekären Verträge. Damit liegt die Zahl erwerbstätiger Personen, die im Wesentlichen „ungeschützt“ sind, bei 950.000.

Löhne an der Algarve: 943 Euro brutto pro Monat

Die durchschnittlichen Monats-Löhne differieren in Portugal sehr stark nach Region. Während sie 2016 in der Hauptstadtregion Lissabon bei fast 1.389 Euro lagen, betrugen sie an der Algarve lediglich rund 943 Euro (1,8 Prozent mehr als 2015).

Auch je nach Wirtschaftszweig variieren die Löhne und Gehälter zum Teil sehr stark. So spielt bei Arbeitsverträgen in der Energiewirtschaft der Mindestlohn keine Rolle; hier sind die Durchschnittsverdienste um mehr als das Dreifache höher als im Hotel- und Gaststättengewerbe, wo der Anteil der Mindestlohn-Empfänger mit rund 36 Prozent sehr hoch ist (Der Durchschnittslohn lag 2017 bei gut 788 Euro pro Monat)

Bauarbeiter-Löhne: 968 Euro brutto pro Monat

Vergleichsweise hohe Durchschnitts-Löhne zahlen auch die Informations- und Telekommunikationsdienste und die Finanz- und Versicherungswirtschaft. Hingegen hat eine Bürohilfskraft am Monatsende durchschnittlich nur 932 Euro auf dem Konto und ein Bauarbeiter lediglich 968 Euro.

Die Bezahlung der Arbeitnehmer ist nach INE-Informationen in den Filialen ausländischer Unternehmen in Portugal um mehr als 40 Prozent besser als in den nationalen. Es gibt aber große Abweichungen zwischen den Wirtschaftssektoren und Branchen sowie innerhalb eines Unternehmens, von Region zu Region und in Bezug auf die Erfahrung oder die Dauer der Firmenzugehörigkeit. Männer stehen sich bei der Entlohnung im Durchschnitt um ein Viertel besser da als Frauen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Mindestlohn fast 27 Prozent der arbeitenden Frauen erfasst, aber nur gut 17 Prozent der Männer.

Angelernter Produktionsarbeiter: 730 Euro Brutto-Lohn

Ganz anders sehen die Monats-Löhne in der Produktion aus. So verdiente ein angelernter Arbeiter ohne spezielle Berufsausbildung 2017 im Schnitt rund 730 Euro brutto. Ausgebildete Mitarbeiter mit mehrjähriger, praktischer Berufserfahrung, die Aufgaben zuverlässig ohne Aufsicht durchführen und Fertigungsprozesse einrichten können, kamen auf knapp 902 Euro brutto. Gut 1.394 Euro brutto trugen Mitarbeiter mit mehrjähriger Erfahrung und Leitungsbefugnis nach Hause, die als Vorarbeiter die Leistung von Produktionsbereichen verantworten.

Wer mehr über den Arbeitsmarkt in Portugal erfahren will, kann sich Informationen auf der Internetseite der Internationalen Arbeitsorganisation ILO holen. In Portugal selbst sind zwei wichtige Datenquellen das Staatliche Statistikamt INE und das Büro für Strategie und Studien des Wirtschaftsministeriums GEE.