Portugal: Grenzen weitgehend dicht, Algarve schließt Tourismus-Büros

Am Montag hat auch Portugal wegen der Coronavirus-Pandemie mit derzeit insgesamt 331 Erkrankungen seine Außengrenzen zu Spanien weitgehend geschlossen. Das Land hält aber den grenzüberschreitenden Waren- und Berufspendler-Verkehr auf Luft‑, Land- und Wasserwegen an neun Punkten aufrecht. An der Algarve, wo es 13 Fälle der neuen Lungenerkrankung Covid-19 gibt, wurden bei einer Großaktion in der Flughafenstadt Faro gut 70 nepalesische Landarbeiter isoliert, nachdem einer von ihnen sich nachweislich infiziert hatte. Alle 20 regionalen Tourismus-Büros an der Südküste wurden inzwischen geschlossen.

Die Entscheidung der portugiesischen Regierung zur Reduzierung des Grenzverkehrs auf neun Kontrollpunkte fiel nach EU-Konsultationen und Gesprächen mit dem Kabinett in Spaniens Hauptstadt Madrid. Am Sonntag hatte Portugals Ministerpräsident António Costa mit seinem spanischen Amtskollegen Pedro Sanchez über die Lage beraten. Der Beschluss zur Grenzschließung bringt nun Einschränkungen für die Freizügigkeit des Tourismus und der Freizeitgestaltung mit sich.

Grenzüberschreitender Oster-Tourismus unterbunden

Traditionell reisen zu Ostern viele Spanier nach Portugal, vor allem in die Ferienregion Algarve. Das wird aufgrund der Beschränkungen in diesem Jahr nun nicht möglich sein. Auch in umgekehrter Richtung wird es keine Reisemöglichkeiten geben. Laut Ministerpräsident Costa werden die verschärften Grenzkontrollen „sicher mehr als einen Monat dauern“. Damit solle die gesamte Osterferienzeit abgedeckt werden.

Costa versicherte, dass sich eine Situation vom Sonntag nicht wiederholen werde, als ein Kreuzfahrtschiff, dessen 2.000 brasilianische Passagiere nicht in Portugal aussteigen durften, im spanischen Hafen von Cadiz anlegte. Die Gäste gelangten dann von Andalusien aus über den Landweg nach Portugal. Mit Bussen wurden sie über die portugiesische Grenze bei Caia gebracht, um das Land von Lissabon aus auf dem Luftwege zu verlassen.

Der Regierungschef versprach, dass selbst bei einer möglichen Ausrufung des Notstands das Land weiterhin funktionsfähig gehalten werde. Der beste Weg zur Vermeidung drastischerer Maßnahmen sei es, „weiterhin verantwortungsvoll das zu tun, was die Portugiesen bislang so gut gemacht haben: sich in ihrem Bewegungsverhalten und ihren sozialen Kontakten zurückzuhalten“. Es sollten unnötige Aktivitäten vermieden werden, um lebensnotwendige weiter zu garantieren. Die Gesundheitsbehörden des Landes ordneten am Montag an, dass von nun an alle Personen, bei denen eine Coronavirus-Erkrankung vermutet wird, getestet werden sollen. Auch die privaten Krankenhäuser wurden aufgerufen, sich an Diagnose und Therapie von Erkrankungsfällen zu beteiligen

Algarve: Gut 70 nepalesische Landarbeiter in Quarantäne

In der Algarve-Metropole Faro wurden mehr als 70 nepalesische Landarbeiter in der Turnhalle der Schule EB 2.3 Santo António unter Quarantäne gestellt. Einer der Männer aus Nepal hatte sich zuvor nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Bei der Großaktion arbeiteten die Gesundheitsbehörden eng mit medizinischem Personal, Zivilschutz, Feuerwehr, Polizei und der Ausländerbehörde zusammen. Selbst der Motorradclub von Faro half bei der blitzschnellen Einrichtung und Ausrüstung der abgelegenen Behelfsunterkunft mit Betten und Essensausgabemöglichkeiten für die isolierten Nepalesen.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden Portugals hat sich seit Sonntag die Zahl der Coronavirus-Erkrankungen an der Algarve um drei und im ganzen Land um 86 erhöht. Nur in der Region Alentjeo und auf der Insel Madeira gibt es bilang keine Covid-19-Fälle. Am stärksten betroffene übrige Regionen Portugals sind die Großregion Lissabon und Tejo-Tal mit 142 Erkrankungen, der Norden rund um Porto (138) und das Zentrum (31).

An der Algarve wurden die 13 Erkrankungen bislang in Albufeira, Algoz, Faro, Lagoa, Portimão und Tunes registriert. Der Wirtschaftsverband NERA forderte die in ihm zusammengeschlossenen Unternehmen auf, mit einer „Interventionsstrategie“ auf die unmittelbaren und mittelfristigen Auswirkungen der Coronakrise zu reagieren. Der Verband werde seine Mitglieder bei der Beantragung von staatlichen Finanzhilfen unterstützen.

Update 20 Uhr: Portugal meldet das erste Todesopfer in Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Ein 80-jähriger Mann aus dem Hospital de Santa Maria in Lissabon starb infolge der Lungenerkrankung.

Weitere aktuelle Kurzinformationen zur Covid-19-Situation im Süden Portugals

Faro: Der regionale Tourismusverband RTA teilt in Faro mit, ab Montag, 16 Uhr, seien alle 20 Tourismus-Büros in der Region vorsorglich geschlossen. Die Flughafengesellschaft ANA (Aeroportos de Portugal) bat darum, dass nur diejenigen Personen zum Airport kommen, die auch tatsächlich reisen. Das soll verhindern, dass sich größere Menschenmengen bilden. Mit der Polizei werde derzeit ein System enwickelt, das schnell für Zugangsbeschränkungen sorgen könne. Die ANA-Lounge in Faro und auf anderen Flughäfen wurde geschlossen.

Nachdem bereits die Tochtergesellschaft Laudamotion den Faro-Anflug eingestellt hat, kündigte nun auch Ryanair selbst an, innerhalb der nächsten sieben bis zehn Tage des gesamte Flugprogramm der Billigairline voraussichtlich um bis zu 80 Prozent zu kürzen. Die betroffenen Passagiere sollen per E‑Mail und SMS informiert werden – auch über das Angebot von Rückführungsflügen. Inwieweit das auch Faro betrifft, blieb zunächst offen. Auch der britische Konkurrent EasyJet kündigte am Montag an, einen Großteil der Flotte wegen des Nachfragerückgangs nicht mehr nutzen zu können. Das Unternehmen will aber Rückführungsflüge durchführen, „damit die Bürger in diesen schwierigen Zeiten zu ihren Lieben zurückkehren können“.

Update 16:15 Uhr: Die Algarve dürfte ebenso von den Betriebsunterbrechungen beeinträchtigt werden, welche führende Reiseveranstalter am Montag bekanntgaben. So sagte neben dem Reise-Riesen TUI auch der Touristikkonzern FTI Group alle Reisen bis Ende März ab. Alltours setzte alle Flugpauschalreisen und Urlaube mit individueller Anreise bis 27. März aus. Die Buchungen werden kostenlos storniert.

Update 17:25 Uhr: Auch der Reiseveranstalter Gebeco (Studien- und Erlebnisreisen) sagte Abreisen bis zum 31. März ab. Wer seinen Urlaub bis 30. April antreten wollte, kann kostenlos umbuchen.

São Brás de Alportel: Das traditionell zu Ostern stattfindende Festa das Tochas Floridas (Fest der blühenden Fackeln) ist für den 12. April abgesagt worden. Die Stadtverwaltung teilte gleichzeitig mit, im Rahmen ihres Notfallplans habe sie die Zahl der in den Büros diensttuenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis Monatsende „auf ein absolutes Minimum“ begrenzt. Sie würden bezahlt, sollten aber weitgehend zu Hause bleiben. Sie seien gebeten, sich in Bereitschaft zu halten, um gegebenenfalls auch bei der Sicherung der Grundversorgung für die Bevölkerung zu unterstützen. Unternehmen, die vorübergehend schließen, bekamen Entlastungen von Steuern und Gebühren in Aussicht gestellt. Für Restaurants, Straßencafés und Lebensmittel-Distributeure empfahl die Stadtverwaltung die vorübergehende Schließung. Lieferservices sollen Einkäufe vor Ort ersetzen.

Portimão: Die Kreuzfahrt-Hafenstadt verfügte die Einstellung von Flügen mit Fallschirmspringern. Der kommunale Flugplatz Alvor lässt nur noch Propellermaschinen für Inlandsflüge auf der Strecke Cascais-Viseu-Bragança starten und landen. Auch Notfallflüge sind vom Startverbot ausgenommen.

Albufeira: Die Taxigenossenschaft der Stadt bietet alleinlebenden älteren und chronisch kranken Bürgern an, bei der Einlösung von Rezepten in Apotheken zu unterstützen. Die Dienstleistung ist kostenlos. Vor Ort wollen die Taxifahrer prüfen, ob es den älteren Menschen vielleicht auch an Lebensmitteln mangelt. Erreichbar ist die Taxi-Hotline unter der Telefonnummer 289 583 230.

Tavira: Die Hotelgruppe AP Hotels & Resorts stellt ihr Cabanas Park Resort in Tavira dem öffentlichen Gesundheitswesen zur Verfügung, damit hier Patienten oder Angehörige der Gesundheitsberufe gegebenenfalls unter Quarantäne gestellt werden können.