Der Stierkampf erhitzt die Gemüter in Portugal

Portugal hat keine Probleme mit Flüchtlingsströmen oder Separatisten. So konnte sogar ein scheinbar nebensächliches Problem wie der Stierkampf die politischen Gemüter erhitzen.

ablo Picasso und Ernest Hemingway hegten politisch linke Sympathien. Unabhängig davon galten sie als Bewunderer des Stierkampfes, den sie aus Spanien kannten. In Portugal berufen sich Anhänger dieses umstrittenen Spektakels nun im Namen der Tradition auf den Maler, den Schriftsteller und andere Grössen aus Kultur und Politik, um die Kulturministerin der sozialistischen Regierung, Graça Fonseca, auf die Hörner zu nehmen. Sie habe die Portugiesen «beleidigt» und sei für ihr Amt nicht geeignet, heisst es im Text einer Petition, die ihre Absetzung verlangt und seit Anfang November im Internet zirkuliert.

Die Ministerin brach die Kontroverse bei der jüngsten Parlamentsdebatte über das Staatsbudget 2019 los. Im Juli soll die Mehrwertsteuer auf die Billette für gewisse kulturelle Veranstaltungen – es geht um Tanz, Musik, Theater und Zirkus – von jetzt 13 Prozent auf 6 Prozent fallen. Aussen vor blieben Freilicht-Musikfestivals, das Kino und der Stierkampf. Auf den Vorwurf von rechts, eine Diktatur des Geschmacks zu etablieren, konterte die Ministerin, dass der Stierkampf nicht eine Frage des Geschmacks sei, sondern der Zivilisation.

Politische Olé-Rufe kamen von der Partei für Menschen, Natur und Tiere (PAN), die einen Abgeordneten stellt. Sie fordert ein Verbot des Stierkampfes. Die Vorsitzende des konservativen Partido Popular (CDS-PP), Assunção Cristas, beschrieb diesen vor einigen Monaten derweil als «Ballett». Aber die Fronten verlaufen nicht klar zwischen links und rechts. Vor einem «Fanatismus des politisch Korrekten» warnte der prominente 82-jährige Linkssozialist Manuel Alegre.

In einem offenen Brief an Ministerpräsident António Costa forderte er Toleranz – und eine niedrigere Mehrwertsteuer auch für Stierkämpfe. Costa wollte den Stierkampf nicht generell verbieten und fand die steuerliche Differenzierung legitim, womit er sich hinter seine Ministerin stellte. Noch haben weniger als 10 000 Personen die Petition für ihre Absetzung unterzeichnet. Offenbar hat Portugal doch noch andere Probleme als die Besteuerung des Stierkampfs.