Das Millionengeschenk von Juan Carlos an seine Geliebte belastet die spanische Koalitionsregierung

Die Linken fordern einen Untersuchungsausschuss zu den Aktivitäten des abgedankten Königs Juan Carlos. Ob ihm die Sozialisten die Stange halten, ist ungewiss.

Die Enthüllungen über Gelder in der Höhe von 100 Millionen Dollar, die das saudiarabische Königshaus dem damaligen König Juan Carlos überwies, dürften zur ersten Belastungsprobe für die Koalitionsregierung in Madrid werden. Sie ist erst seit Januar im Amt.

Die Linkspartei Podemos (UP), die mehrere Minister im Kabinett der Minderheitsregierung des Sozialisten Pedro Sánchez stellt, will eine parlamentarische Untersuchungskommission ins Leben rufen. Sie soll Licht in die Vermögensverhältnisse von Juan Carlos bringen, der im Juni 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe VI abdankte. Die UP steht mit dieser Forderung nicht allein da. Mehrere Regionalparteien, die die Ernennung von Pedro Sánchez im Januar unterstützten, brachten bereits einen entsprechenden Antrag im Parlament ein.

Millionentransfer an die Geliebte

Die Ungewissheit über mögliche korrupte Aktivitäten des Vaters von Felipe VI müsse ausgeräumt werden, forderte der UP-Fraktionssprecher Pablo Echenique. Die jüngsten Enthüllungen belasteten die spanische Demokratie. Bei Ermittlungen zu mutmasslicher Geldwäsche war die Genfer Staatsanwaltschaft auf eine Überweisung von 100 Millionen Dollar gestossen. Sie waren im Jahr 2008 aus Saudiarabien auf ein Konto einer panamaischen Stiftung bei einem Schweizer Bankhaus überwiesen worden. Endbegünstigter war Juan Carlos.

Der Monarch soll dann vier Jahre später einen Grossteil des Geldes, nämlich 65 Millionen Euro, auf ein Konto seiner damaligen Geliebten, der Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, überwiesen haben. Gegenüber der Tageszeitung «El Mundo» bezeichnete die deutsche Prinzessin, die seit ihrer Scheidung 2005 wieder Corinna Larsen heisst, die Zahlung als Geschenk. Sie habe es erhalten, weil der Monarch sie und ihren Sohn so sehr schätze.

Spaniens Monarchie wird mit Steuergeldern finanziert

Der Fraktionssprecher der valencianischen Partei Compromís verlangt, die Untersuchungskommission müsse feststellen, ob der Regent aus reiner Wertschätzung 65 Millionen Euro verschenken dürfe. Es sei auch fraglich, ob ein Monarch, selbst wenn er nicht mehr im Amt sei, ein Konto «in einem Steuerparadies» haben dürfe.

Die katalanischen Linksrepublikaner fordern, dass Schluss sein müsse mit der fehlenden Transparenz im Königshaus. Immerhin erhalte die Monarchie jährlich 8 Millionen Euro an Steuergeldern. Die Antikorruptionsabteilung der spanischen Staatsanwaltschaft hat mittlerweile die Kollegen in der Schweiz um Unterstützung bei der Aufklärung des Falls gebeten.

Die spanische Justiz sucht nach Indizien, die darauf hinweisen, dass die Zahlung mit einem Firmenkonsortium in Zusammenhang steht. Es baute die 450 Kilometer lange Schnellzugstrecke zwischen Mekka und Medina. Juan Carlos wurde damals in Spanien als Vermittler des Geschäfts gefeiert. Der Zuschlag ging allerdings erst 2011 an die Spanier. Da lagen die Millionen aus Saudiarabien schon seit drei Jahren auf Juan Carlos’ Konto.

Der Königspalast nimmt bis anhin zu den Ermittlungen keine Stellung. Man hofft dort, dass die Sozialisten, die bisher immer die Monarchie verteidigten, gemeinsam mit den konservativen Parteien gegen die Einsetzung einer Untersuchungskommission stimmen werden. Juan Carlos geniesst auch nach seiner Abdankung aufgrund eines von den Konservativen verabschiedeten Gesetzes rechtliche Immunität. Doch die UP zeigte sich davon am Freitag unbeeindruckt. Kein Bürger stehe über dem Gesetz, erklärte Irene Montero, die linke Ministerin für Gleichstellung.