In Portugal ist der Konsum von Cannabis als Genussmittel noch nicht erlaubt. Als Standort für den Anbau dieser Pflanze und den Export zu medizinischen Zwecken kommt das Land aber gross heraus.


Über den Zaun klettern oder in ein Gewächshaus einbrechen zu wollen, wäre schwierig und zudem womöglich sinnlos, scherzt ein Pharma-Kenner in Portugal. Erstens soll der Cannabis-Anbau im grossen Stil in Cantanhede, 220 Kilometer nördlich von Lissabon, unter strikten Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Und zweitens ist ungewiss, ob Kiffer vom Rauch der Blätter aus hiesiger Produktion überhaupt «high» würden. Hierfür hätten manche der verschiedenen Varianten von Hanf, mit deren Anbau und Verarbeitung die irische Gesellschaft Tilray begonnen hat, womöglich einen zu tiefen Gehalt an der psychotropen Substanz THC (Tetrahydrocannabinol). Von Portugal aus will die – bisher vor allem von Kanada aus tätige – Gruppe natürlich nicht Kiffer versorgen, sondern einen weltweit wachsenden Markt für medizinisches Cannabis bedienen.


Ideales Klima, qualifizierte Arbeitskraft



Tilray, nach eigenen Angaben weltweit führend in der Erforschung und Herstellung von medizinischem Cannabis, war 2014 das erste Unternehmen, das in Kanada eine Lizenz für Anbau und Verarbeitung erhielt. Von dort aus exportiert die Gesellschaft schon in die USA, nach Australien, Neuseeland, Südafrika und nach Europa. Auf 8 Tonnen beziffert Präsident Brendan Kennedy die Jahresernte, die sich 2018 durch den Anbau in Portugal als erstem Standort in Europa auf über 50 Tonnen erhöhen soll.

Das Unternehmen besuchte 18 Länder, bevor der Entscheid für Portugal als Standort fiel. Im Oktober begann der Anbau im biotechnischen Park «Biocant» der beschaulichen Kleinstadt Cantanhede, wo auch die Verarbeitung zu Kapseln und Tropfen erfolgen soll. Für die Anlagen zum Anbau – auf insgesamt rund 20 000 Quadratmetern in Gewächshäusern und unter freiem Himmel – und für die Verarbeitung sind Investitionen von 20 Mio. € vorgesehen. Wichtige Argumente für Portugal seien ein ideales Klima sowie die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften gewesen, nicht zuletzt dank den nahen Universitäten von Coimbra und Aveiro, sagt Kennedy im Gespräch. Geplant ist die Schaffung von rund 100 Arbeitsplätzen.

Cannabis soll gegen chronische Schmerzen helfen und zur Linderung diverser anderer Leiden beitragen können. Zum Einsatz kommt es unter anderem gegen die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, gegen Übelkeit infolge der Chemotherapie gegen Krebsleiden, bei Epilepsie von Kindern und beim posttraumatischen Stress (post traumatic stress disorder, PTSD), an dem etwa Soldaten im Vietnam-Krieg litten. Cannabinoide würden zudem bei Spastik in Verbindung mit multipler Sklerose verabreicht, legt das Unternehmen dar.

Innert eines Jahrzehnts kämen allein in Europa 10 Mio. Menschen für derartige Therapien infrage, schätzt Tilray-Chef Kennedy, der einen europäischen Markt von 30 bis 40 Mrd. € entstehen sieht. Ein besonderes Augenmerk gilt derzeit Deutschland, das die Ausgabe von Cannabis-Produkten früher nur mit einer Sondererlaubnis und auf Kosten der Patienten erlaubte. Seit einigen Monaten ist die Verschreibung von Cannabis – etwa in Form von getrockneten Blüten, Ölen und Kapseln – auf Kassenrezept möglich. Allerdings sprach Tilray Deutschland von «Anlaufschwierigkeiten» bei der Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen.

Neu ist die Dimension dieses Projektes, das die Arzneimittelbehörde Infarmed genehmigt hat, nicht aber die Idee. Schon 2014 ging das Unternehmen Terra Verde, bei dem die britische Gruppe GW Pharmaceuticals eine Beteiligung hält, mit dem Anbau von medizinischem Cannabis in der Südregion Alentejo voran. Sie kultiviert Cannabis sativa L., dessen Produktion zu 100% für den Export ins Vereinigte Königreich bestimmt ist. Und in Portugal gedeiht nicht nur Cannabis. Gleich zwei Unternehmen besitzen die Erlaubnis für den Anbau von Mohnblumen zur Gewinnung von Opium (Papaver somniferum).

Ein linkes Fernziel

Der Anbau von Cannabis weckt in Portugal auch gesellschaftspolitische Wünsche. Im Land steht zwar dem Vertrieb von Medikamenten mit Cannabis-Derivaten grundsätzlich nichts entgegen. Nicht erlaubt ist bis anhin jedoch der Gebrauch von Cannabis-Extrakt zu medizinischen Zwecken – sehr zum Verdruss des Linksblocks, der im Parlament 19 Abgeordnete stellt. Er befürwortet die Zulassung für medizinische Zwecke und sähe darin wohl einen Zwischenschritt zur Legalisierung als Genussmittel. Schon 2001 hatte Portugal den Drogenkonsum entkriminalisiert und damit vom Delikt zur Ordnungswidrigkeit herabgestuft, aber eben nicht legalisiert.




Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.