Weinreise nach Portugal

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Weinreise nach Portugal

Aus Portugal kommen neben dem berühmten Portwein auch prämierte Rot- und Weißweine – das zieht Touristen an. Immer mehr Winzer wollen vom Weintourismus profitieren. Auch in Dão, einem der ältesten Weingebiete Portugals.

„Wein ist ein hartes Geschäft“, sagt Lígia Santos und schenkt ihren Gästen ein Glas Weißwein ein: „Der Zyklus ist wahnsinnig lang. Wein, den wir jetzt pflanzen, verkaufen wir erst in vielen Jahren.“ Dazu kommen Wetterschwankungen und Pflanzenkrankheiten. Dennoch läuft es ziemlich gut für die 32-Jährige und ihre Familie: Seit 2012 betreiben sie das Weingut Quinta da Teixuga im Dão, einem renommierten Weingebiet in der Region Centro de Portugal.

Wie die meisten Bauern im Dão bewirtschaftete auch Lígias Opa mehrere kleine Weinberge für den Eigenbedarf. Heute ist die Quinta da Teixuga mit 30 Hektar Anbaufläche für Weiß- und Rotweinreben eines der größten Weingüter der Region.

Der Weißwein aus der Rebsorte „Encruzado“ von 2017 hat eine blassgelbe Farbe, schmeckt leicht und fruchtig, ein wenig nach Zitronen. „Bei uns wachsen die besten Weißweintrauben Portugals“, behauptet Lígia. Dem würden Winzer aus anderen Weingebieten wie Vinho Verde oder Douro widersprechen. „Wir streiten immer, woher der beste Weißwein kommt“, sagt Lígia lachend: „Meistens gewinnen wir!“

Innovative Verbindung: Wein und Architektur

Durch die Reben leuchtet betongrau das 2017 errichtete Gebäude des Weingutes. Die ungewöhnliche Form ist inspiriert aus dem Familien-Logo, einem Doppelkreuz. „Caminhos Cruzados“, kreuzende Wege, ist denn auch der Name, unter dem die Familie ihre Weine vermarktet.

Im Gebäude befinden sich die Produktionsstrecke, Weinkeller, Labor, Büros und ein Verkaufsladen. Verglasungen und Sichtachsen verbinden die Ebenen miteinander: eine moderne, offene Architektur, energieeffizient und an die Ansprüche der Weinherstellung angepasst. Gekostet habe das Ganze 1,2 Millionen Euro. Doch das Geschäft geht gut, sagt Lídia, ihre Weine sind auch im Ausland beliebt, in Brasilien und China zum Beispiel: „In zwei Jahren haben wir das wieder raus.“

Önotourismus: Reisen für Rausch und Rebensaft

Im Weintourismus sieht das Familienunternehmen eine Chance, auch darum sollte es eine besondere Architektur sein: „Wir hatten 2000 Besucher im letzten Jahr“, sagt Lígia. Die Gäste buchen Führungen, Weinproben oder den Workshop „Winzer für einen Tag“. Unter Anleitung mischen sie ihr Lieblingscuvée aus verschiedenen Weinen.

Der Wein ist für viele ein Grund, nach Portugal zu reisen. Am berühmtesten ist der – zumeist rote, seltener auch weiße – Portwein, benannt nach der Hafenstadt Porto. Auch der Vinho Verde aus dem Norden Portugals hat es zu internationalem Ruf gebracht. Daneben bietet Portugal eine extreme Vielfalt an Weinen: Mehr als 500 einheimische Rebsorten wachsen hier, wobei der Rotwein überwiegt. Fast überall im Land gibt es Weinbaugebiete – und es werden immer mehr, ebenso wie die touristischen Angebote rund um den Wein, der so genannte Önotourismus.

Wer auf Weinreise in der Region Dão ist, kommt auch nach Viseu, einst zur lebenswertesten Stadt Portugals gekürt. Viseu ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in nahe gelegene Weingüter. Es gibt eine hübsche, verwinkelte Altstadt, viel Street Art und eine beeindruckende Kathedrale aus dem Mittelalter.

Warum zu gutem Wein schlecht essen?

Und seit 2018 eine Veranstaltung, auf der die Weine der Region in Szene gesetzt werden: Das „Estrela à Mesa“ ist ein dreitägiges Street-Food-Fest als Teil des jährlichen Weinfestes. Das Besondere: Hier kochen Sterneköche – kleine Por

Zehn hochkarätige Köche aus verschiedenen Regionen Portugals, einer aus den Niederlanden, versammelt auf dem Marktplatz der 100.000 Einwohner-Stadt: Wenn dies keine Genuss-Region ist, was dann?

Viseu und das Weingebiet Dão sind von Bergen umgeben, die vor den rauen Einflüssen des Atlantiks schützen. Regenreiche Winter, heiße Sommer und eine lange kühle Herbstzeit sind ideal für den Weinbau. In Dão gibt es 20.000 Hektar Weinberge, viele davon sind schon sehr alt, ebenso wie die zugehörigen Herren- und Landhäuser.

Einfliegen zum Abendessen

Am Rande des Dorfes Santar, 15 Kilometer von Viseu entfernt, bewirtschaftet das Unternehmen „Global Wines“ 107 Hektar Weinberge, zum größeren Teil wächst hier Rotwein. Ein restauriertes Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert gehört zu den Ländereien; mit Ladengeschäft, Gästezimmern und dem Restaurant „Paço dos Cunhas“. Dessen gehobene Küche soll den Wein zur Geltung bringen.

Das Restaurant ist bis auf den letzten Tisch besetzt. Unter den Gästen sind Touristen aus den USA, Deutschland und Spanien. „Wir nutzen den Weintourismus, um unsere Marke zu bewerben“, sagt Ana Teixeira, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Global Wines. 5000 Touristen kommen im Jahr auf das Weingut nach Santar.

Zu jedem Gang des Menüs wird – natürlich – passender Wein gereicht. Der Hauptgang an diesem Abend: Kalbfleisch mit gelben Karotten und Rotweinsoße, hübsch dekoriert, ohne Schäumchen und Chichi, bodenständig und doch sehr fein.

Dazu ein Rotwein aus der historischen Traubensorte „Touriga Nacional“, eine der besten der Region. „Manche Gäste kommen extra aus Lissabon hergeflogen, um gut zu essen. Und danach fliegen sie wieder zurück“, erzählt Ana.