Portugal: Wie intensiver Olivenanbau die Landwirtschaft verändert

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Die Auswirkungen des intensiven Olivenanbaus auf die Biodiversität im Alentejo sind noch nicht genug erforscht

In Portugal gab es bis vor ein paar Jahren kaum intensive Landwirtschaft. Doch nach dem Bau des Alqueva-Staudamms im Alentejo investieren nun multinationale Unternehmen insbesondere in den super-intensiven Olivenanbau – mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem und die Arbeitsbedingungen.

Vor einem uralten, knorrigen Olivenbaum in Serpa, in der südost-portugiesischen Alentejo-Region, steigt ein älterer Herr aus seinem Geländewagen. José Pedro Fernandes e Oliveira kommt aus einer einflussreichen Familie. Sein Landgut umfasst rund 550 Hektar, und darauf stehen auch rund 4.000 Olivenbäume. Ein paar von ihnen sollen über 2000 Jahre alt sein. Oliveira ist Agraringenieur und hat vor seiner Pensionierung eine Landwirtschaftsschule geleitet.

„Ich betreibe diesen alten Olivenhain aus purer Leidenschaft, und weil ich das nötige Know-how habe. Aber es ist kein rentables Geschäft. Die Oliven an diesen alten Bäumen müssen zu einem großen Teil per Hand gepflückt werden. Ich habe ein externes Unternehmen beauftragt, das eigentlich nur ausländische Erntearbeiter beschäftigt. Ich zahle pro Kilogramm gepflückte Olive rund 25 Cent an den Unternehmer. Dagegen hat der Landwirt, der einen modernen, super-intensiven Olivenanbau betreibt, bei seiner Ernte nur Kosten von zwei bis drei Cent pro Kilo.“

Große Landgüter mit alten Baumbeständen, Viehzucht und Getreideanbau haben die Region seit Jahrhunderten geprägt. Zu Zeiten der Salazar-Diktatur in den 40er und 50er-Jahren lebte ein großer Teil der Bevölkerung als besitzlose Landarbeiter ein Leben, das von großer Armut, Ausbeutung und Unterdrückung geprägt war. Nach der Nelkenrevolution in den 70er-Jahren versuchten Bauern und Linksintellektuelle aus ganz Europa eine Landreform durchzuführen. Sie besetzten die Höfe der Großgrundbesitzer und führten genossenschaftliche Modelle ein. Doch das politische Experiment im Alentejo scheiterte.

Intensivierung der Landwirtschaft durch Staudamm-Bau

Die große Umwälzung in der Landwirtschaft im Süden Portugals begann nicht aus ideologischen Gründen, sondern mit dem Bau eines Stausees. Im Februar 2002 schloss der Alqueva-Staudamm seine Tore. In wenigen Jahren entstand einer der größten künstlichen Seen Europas.

„Das größte Problem unserer Region ist immer der Wassermangel gewesen“, sagt Luís Miranda, er ist Stadtrat für Bauwesen und Umweltschutz der Bezirkshauptstadt Beja

„Jetzt steht uns mit dem Stausee endlich Wasser zur Verfügung – und das öffnet neue Horizonte. Denn die Böden hier in der Region eignen sich gut für Landwirtschaft. Insgesamt gibt es im Alentejo über drei Millionen Hektar Land. 170.000 davon werden jetzt mit Wasser versorgt.“

Super-intensiver Olivenanbau auf dem Vormarsch

Die ersten Investoren, die sich für das Land interessierten, kamen vor allem aus den spanischen Olivenanbaugebieten in Andalusien. Zunächst setzten die Produzenten im Alentejo auf den intensiven Olivenanbau, bei dem die Bäume – ähnlich wie auf Obstplantagen – dicht aneinander stehen und mit Traktoren, Baumschüttlern, Netzen und in Handarbeit geerntet werden. Wasser und Düngemittel erhalten die Pflanzen über ein Tropfsystem. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch der super-intensive Olivenanbau durchgesetzt: Dabei werden nicht Bäume, sondern heckenartige Pflanzen gezüchtet, die in den Kopf einer speziellen Erntemaschine passen: Dadurch können die Oliven maschinell viel effizienter geerntet werden.

In der Nähe der Kleinstadt Serpa, rund 30 Kilometer östlich der spanischen Grenze, steht Pedro Marques in seiner riesigen Olivenölpresse. Der portugiesische Agraringenieur hat sich selbständig gemacht, bewirtschaftet rund 4.000 Hektar mit Olivenbäumen und hat mit einem spanischen Geschäftspartner rund 12 Millionen Euro in die riesige Ölpresse investiert. Die Presse wird gerade ausgebaut, damit sie zur Erntezeit im Herbst schätzungsweise 42.000 Tonnen Oliven verarbeiten kann. Eine eigene Olivenölmarke hat Pedro Marques jedoch nicht:

„Rund 25 Prozent unserer Produktion gehen an portugiesische Kunden, 50 Prozent an italienische und der Rest geht in die USA, nach Chile und andere Länder. Wir stellen nur natives Olivenöl Extra her – die beste Güteklasse. Die Italiener kaufen hier das Öl in großen Mengen, bringen es nach Italien, füllen es dort ab und setzen ihre eigene italienische Marke darauf. So ist das nun mal in unserem Geschäft – das ist ja kein Geheimnis mehr.“

Maschinen ersetzen Menschen

Bevor das Wasser kam, so Marques, sei das hier eine Wüste gewesen. Jetzt verändere sich die Region und der super-intensive Olivenanbau schaffe mehr feste Jobs. Gleichzeitig sei durch den verstärkten Einsatz maschineller Arbeit der Olivenbauer nicht mehr so abhängig von Erntehelfern:

„Ich habe keine Chance zu kontrollieren, wie diese Erntehelfer behandelt werden. Wenn ich morgen neue Bäume pflanzen muss, spreche ich mit einer Zeitarbeitsfirma oder einem Mittelsmann und der handelt mit mir einen Preis pro Arbeiter aus. Man hört viele Geschichten von Leuten, die schlecht behandelt oder nicht bezahlt werden. Aber das hat nichts mit uns zu tun, sondern mit den Verantwortlichen, die die Erntehelfer hier nach Portugal bringen.“

Der Boom in der Landwirtschaft im Alentejo hat Tausende von Erntehelfern in die Region gebracht. Rund um Beja werden vor allem zur Zeit der Oliven- und Mandelernte Saisonarbeiter gesucht.

„Das ist fast wie in einem Arbeitslager hier“

In einem kleinen Büro in der Altstadt von Beja versucht Alberto Matos die portugiesische Ausländerbehörde SEF zu erreichen. Matos arbeitet für die Migranten-Hilfsorganisation SOLIM. In den Alentejo, erzählt Matos, kämen Arbeitsmigranten mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen: Afrikanische Flüchtlinge, die vor dem zunehmenden Fremdenhass in Italien nach Portugal weiterfliehen; Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien oder Moldawien; und in jüngster Zeit Menschen aus Nepal, Thailand oder Indien, die über israelische oder saudi-arabische Zeitarbeitsfirmen nach Portugal gebracht werden.

„Die Arbeitsmigranten müssen von ihrem Gehalt noch Transport und Unterkunft bezahlen. Die meisten wohnen in Container-Siedlungen, die rund um die Stadt entstehen. Dort sind die Lebensbedingungen sehr schlecht. In einem Wohncontainer hausen 200 Migranten und bezahlen 50 Euro pro Monat. Sie stehen auf, gehen arbeiten und dann gleich zurück in den Container – das ist fast wie im Arbeitslager hier.“

Portugiesische Erntehelfer gibt es im Alentejo so gut wie gar nicht. „Niemand will in seinem eigenen Land Sklave sein“, sagt Alberto Matos. Die jungen Leute aus dem Alentejo würden zwar als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft arbeiten, aber eben nicht in Portugal, sondern in Frankreich, Spanien oder in der Schweiz.

Vor über 40 Jahren kam Alberto Matos als Lehrer in den Alentejo und unterstützte politisch die Agrarreform.

„Durch den Alqueva-Staudamm haben wir jetzt endlich Wasser. Es gab im Alentejo die Hoffnung, dass sich endlich etwas an den Besitzverhältnissen ändern würde. Doch die Situation hat sich verschärft. Die alten Großgrundbesitzer werden noch reicher, weil sie jetzt Wasser haben. Entweder sie verkaufen ihre Grundstücke für viel Geld, oder sie investieren selbst in die intensive Landwirtschaft. Und wenn dann noch durch die Ausbeutung der Arbeitsmigranten der Lohn so massiv gesenkt werden kann, dann ist das für die alten Großgrundbesitzer wie ein gefundenes Fressen.“

Mit dem Wasser kamen die Investitionsfonds

Das Wasser hat im Alentejo zu einem starken Anstieg der Grundstückspreise geführt. Bevor das Bewässerungssystem des Alqueva-Staudamms eingeführt wurde, lag der Preis für einen Hektar Land bei rund 5.000 Euro. Heutzutage würde ein Grundstück mit Zugang zum Wasser für 20.000 Euro pro Hektar über den Tisch gehen, sagt der Immobilienmakler Manuel Matos aus Beja. Es mag kein Zufall sein, dass der Boom in der intensiven Landwirtschaft im Alentejo ausgerechnet zur Zeit der Finanzkrise begann. Neben den spanischen Agrarunternehmen haben auch immer mehr Investitionsfonds zum Beispiel aus den USA ihr Geld in der Landwirtschaft im Süden Portugals angelegt.

„Die Investitionsfonds kaufen die Grundstücke, bearbeiten das Land, pflanzen die jeweilige Monokultur an und verkaufen dann das ganze Paket an andere Investoren. So garantieren sie die größtmögliche Rentabilität.“

Angst, wenn die Giftwolke durch den Garten weht

Das große Geschäft mit dem Oliven- und Mandelanbau geht an den meisten Einwohnern des Alentejo fast unbemerkt vorbei. Es sei denn, sie haben, so wie Catarina Valério mit den negativen Folgen der intensiven Landwirtschaft zu kämpfen.

Valério arbeitet in der städtischen Bibliothek in Beja und wohnt am Rande eines Vororts der Bezirkshauptstadt. Direkt neben ihrem Haus hat ein Landwirt vor ein paar Monaten Tausende von Olivenbäumen gepflanzt, die er regelmäßig mit Pestiziden besprüht. Wenn die Mutter zweier Kinder die Giftwolken durch ihren Garten wehen sieht, fürchtet sie sich um die Gesundheit und auch um das Trinkwasser, das sie aus einem Brunnen auf ihrem Grundstück bezieht.

„Ich habe den Leuten von der Stadtverwaltung gesagt: Da werde ich nicht weiter wohnen. Ich habe nicht viel Geld, aber es reicht, um von dort wegzuziehen. Ich muss mein Zuhause aufgeben, weil ich meinen Kindern das nicht antun will. Ich kenne viele Leute, denen es genauso geht. Eine Familie wohnt in einem Dorf in der Nähe, wo direkt neben ihrem Haus ein intensiver Olivenhain gepflanzt wurde. Aber sie haben kein Geld, um woanders hinzuziehen. Deshalb werden sie damit leben müssen.“

Der städtische Bebauungsplan des Bezirks Beja hat eigentlich Schutzzonen rund um Dörfer und Wohnhäuser festgelegt, wo keine intensive Landwirtschaft betrieben werden darf. Catarina Valério hat sich bei ihrer Klage vor den lokalen Behörden auf diesen Plan bezogen. Ohne Erfolg. Das sei nur ein Bespiel für die systematische Missachtung von Umweltschutzmaßnahmen im Alentejo, sagt José Paulo Martins von der Naturschutzorganisation Zero. Natürliche Flussläufe würden umgeleitet, Ausgleichsflächen und Habitate für Insekten würden nicht geschaffen, und Zugvögel, die in den Olivenhecken ruhen, kämen bei der nächtlichen Ernte in den Maschinen brutal ums Leben.

„Wir brauchen klare Grenzen. Diejenigen, die hier die intensive Landwirtschaft betreiben, sind keine Bauern aus dem Alentejo, die das Land vielleicht von ihren Eltern geerbt haben. Nein, es sind vor allem große Konzerne und Investoren, von denen wir nicht einmal wissen, wer dahinter steckt. Und die interessieren sich überhaupt nicht dafür, was hier in 40 oder 50 Jahren passiert. Was mit den Menschen ist. Mit der Umwelt. Mit der Biodiversität.“

Unternehmen profitieren von der fehlenden Kontrolle

Der Stadtrat von Beja, Luis Miranda, kennt diese Vorwürfe der Umweltschützer. Und er gibt zu:

„Auf diese schnelle Transformationsphase, in der sich auf 170.000 Hektar Land so viel verändert hat, waren weder die Stadtverwaltungen noch das Landwirtschaftsministerium wirklich vorbereitet. Wir versuchen die Fehler mit unserem guten Willen auszugleichen, der in den Behörden und bei den Investoren eigentlich vorhanden ist.“

Ob der gute Wille ausreicht? Im Alentejo zeigt sich ein Phänomen, das für viele Bereiche in Portugal gilt: Die Kontrollfunktion des Staates ist zu schwach, um schnelle Entwicklungen in der freien Wirtschaft in Zaum zu halten.

Es hat bis Juni 2019 gedauert, bevor der portugiesische Landwirtschaftsminister Luís Capoulas Santos eine Studie in Auftrag gegeben hat, um die Auswirkungen des intensiven Olivenanbaus auf die Biodiversität im Alentejo prüfen zu lassen. Santos verkündete zudem, dass die Olivenproduzenten in der Region des Alqueva-Staudamms keine EU-Subventionen mehr erhalten sollen. Es bleibt fraglich, ob sich dadurch ein ungebremster Ausbau der intensiven Landwirtschaft im Alentejo aufhalten lässt. Die EU-Subventionen sind immer auch an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, zum Beispiel bestimmte Umweltauflagen. Unternehmer wie Pedro Marques sind auf die EU-Subventionen aber gar nicht angewiesen, um die Investition in ihren hochproduktiven Olivenanbau rentabel zu machen.

Marques steht auf einem 120 Hektar großen Feld. Vor kurzem hat er hier 250.000 ganz junge Olivenbäume gepflanzt, die in Spanien herangezüchtet wurden. Marques beteuert, dass er sich bei seiner Produktion an den rechtlich vorgesehenen Rahmen hält:

„Ich habe keine Olivenbäume in der Nähe von Wohnhäusern. Die Behörden müssen uns klar sagen, wo wir nicht pflanzen dürfen – und dann halte ich mich daran. Aber diese ganzen Leute, die sich jetzt beschweren, müssen begreifen, dass alle Mittel, die wir hier einsetzen, von den europäischen Behörden zugelassen sind. Ich arbeite seit Jahren mit Pestiziden. Es gibt sehr aggressive Mittel, die schwere Gesundheitsprobleme verursachen können, aber die sind verboten. Die gibt es auf dem Markt gar nicht.“

Landwirte sind Preisdruck ausgesetzt

Pedro Marques will auf den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in seinen Olivenhainen nicht verzichten. Das Risiko eines Ernteausfalls sei ihm zu groß. Der Alentejo ist aber auch ein Ort, an dem sehr gutes Bio-Öl produziert werden kann.

Ein paar Kilometer südlich von Serpa hat der Schweizer Landwirt Andreas Bernhard vor knapp 20 Jahren einen großen Olivenhain gekauft. Seit 2001 stellt er mit seiner Familie Bio-Olivenöl her. Bereits vor zehn Jahren bekam er für sein Öl die ersten internationalen Auszeichnungen. Mittlerweile produziert er für so namhafte Bio-Marken wie Demeter und Bio-Swiss. Doch Bernhard spürt auch im Bio-Sektor den Druck, die Preise immer weiter zu senken:

„Da kommt’s halt drauf an, wohin du verkaufst, wo du den besten Preis bekommst, weil hier hatten wir halt immer von Anfang an den Nachteil: Die Leute möchten halt italienisches Öl, und dann nochmal italienisches und nochmal italienisches und dann vielleicht mal ein griechisches. Aber Spanien und Portugal ist halt nicht so auf dem Schirm von den Leuten – das hat sich mittlerweile ein bisschen geändert.“

Bernhard glaubt, dass der mit Wasser gespeiste Olivenanbau im Alentejo prinzipiell Sinn macht, sofern das ökologische Gleichgewicht eingehalten werde. Schließlich, so Bernhard, verbrauche der Olivenanbau viermal weniger Wasser pro Hektar als zum Beispiel Mais.

Super-intensive Olivenhaine sind eine Revolution

Vor zwei Jahren hat Bernhard auf einem 17 Hektar großen Grundstück einen super-intensiven Olivenhain angelegt, auf dem er in Kürze weiteres Bio-Olivenöl produzieren will.

„Bei dieser ganz neuen Technik ist das halt wie ein Mähdrescher, der das Korn erntet, da fährst du einmal drüber, und hast nachher alles im Tank, und es geht nie auf den Boden. Es ist sauber, eine gute Qualität, du brauchst nicht so viele Leute. Es ist halt schon eine richtige Revolution. Und die alten Bäume, auch die Arbeit, die du hast bei den ganz alten, das bezahlt dir kein Mensch.“

Der Schweizer Biobauer hatte ursprünglich auf seinem Grundstück kein Wasser aus dem Alqueva-Staudamm. Nach einer schweren Dürre verlegte er im Jahr 2013 sechs Kilometer Wasserleitung auf das Nachbargrundstück, das an das Bewässerungssystem angeschlossen war. Bernhard gehört damit zum „Prekariat“ – so werden im Alentejo die Landwirte genannt, die eine offizielle Sondergenehmigung bekommen haben, das Wasser des Alqueva-Staudamms auf eigene Kosten anzuzapfen. Diese Gruppe ist jedoch auch die schwächste im Glied. Denn bei einer lang anhaltenden Dürre, sagt der Stadtrat Luís Miranda, werde dem „Prekariat“ der Hahn zuerst zugedreht:

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren unter einer Dürre gelitten. Das hat auch den Wasserstand des Alqueva-Stausees gedrückt, aber es hat bisher noch keine direkten Auswirkungen. Sollte sich die Dürre um weitere zwei oder drei Jahre verlängern, dann müssen wir Maßnahmen ergreifen: Zuerst wird das „Prekariat“ kein Wasser mehr bekommen, dann die Grundstücke mit nicht permanenten Kulturen und dann die Landwirte mit Dauerkulturen. Die oberste Priorität hat aber die Wasserversorgung der Haushalte.“

Dieses Szenario könnte in Zukunft zur Wirklichkeit werden. Klimamodelle weisen darauf hin, dass die Temperaturen im Alentejo in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen und die Niederschläge zurückgehen werden, so dass lang anhaltende Dürreperioden wahrscheinlicher werden.

Der Bau des Alqueva-Staudamms hat einen tiefgreifenden Transformationsprozess in der Landwirtschaft des südlichen Alentejo eingeleitet. Dabei gibt es Gewinner, aber auch Verlierer, insbesondere, weil der Staat es nicht geschafft hat, den Aufbau einer intensiven Landwirtschaft angemessen zu kontrollieren. Wie schwerwiegend die Folgen für Biodiversität und ökologisches Gleichgewicht sind, wird sich erst in vielen Jahren richtig einschätzen lassen. Die sozialen Ungleichgewichte zwischen Großgrundbesitzern und den Nachfahren der besitzlosen Landarbeiter sind nicht aufgebrochen worden. Aber die Grenzen haben sich neu verschoben: Es gibt nun diejenigen, die Grundstücke mit Wasser haben, und diejenigen, die auf dem Trockenen sitzen.