Wieso es in Spanien die meisten 500-Euro-Scheine der Euro-Zone gab

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Die Spanier nutzten die 500-Euro-Scheine während des Immobilienbooms für schwarze Zahlungen. Nun ziehen die Zentralbanken die Noten ein.

MadridWer in Spanien während des Immobilienbooms eine Wohnung kaufen wollte, dem stellten die Verkäufer in der Regel eine einfache Frage: Wie viel wollen Sie offiziell zahlen und wie viel schwarz? Der Kunde hatte die Wahl.

Da die Summen in Immobiliengeschäften hoch sind, nutzten die meisten Spanier für ihre Barzahlung in die schwarze Kasse (übersetzt: „caja B“) gerne die größten existierenden Euro-Noten: die 500-Euro-Scheine. Im Jahr 2007, auf dem Höhepunkt der spanischen Immobilienblase, zirkulierten in Spanien dadurch die meisten 500-Euro-Scheine Europas – es waren 26 Prozent der Noten, die im Umlauf waren.

Die Scheine haben in Spanien den Spitznamen „Bin Laden“, weil sie so schwer zu finden sind wie der inzwischen getötete gleichnamige Terrorist. Doch nun bereiten die europäischen Notenbanken dem Treiben ein Ende: Sie ziehen in diesem Jahr alle großen Scheine ein, die bei ihnen landen, und geben keine neuen mehr aus.

Die Zentralbanken reagieren damit auf das Argument, die leichten, aber sehr wertvollen Scheine eigneten sich hervorragend zur Geldwäsche und für illegale Geschäfte wie Drogenhandel oder Steuerhinterziehung.

Die Bank von England hatte den britischen Instituten bereits 2010 empfohlen, die Noten nicht mehr an Kunden auszugeben, weil sich laut ihren Schätzungen 90 Prozent der 500-Euro-Scheine in den Händen von kriminellen Organisationen befanden. Die Europäische Zentralbank beschloss dagegen erst 2016, keine neuen Scheine mehr zu drucken. Die existierenden Noten behalten aber unbefristet ihren Wert.

In Spanien ist nach dem Ende des Immobilienbooms 2008 auch der Umlauf der großen Noten deutlich gesunken: Im Oktober vergangenen Jahres befanden sich nach Angaben der EZB nur noch 6,3 Prozent aller 500er-Scheine in Spanien. Grund dafür ist nicht nur die geplatzte Häuserblase, sondern auch der Kampf gegen die Korruption sowie der Trend zum bargeldlosen Bezahlen.

Womöglich war die schärfere Gangart bei Korruption und Steuerhinterziehung auch der Grund, warum fünf Spanier versuchten, sich ihrer 500-Euro-Scheine auf ungewöhnliche Weise zu entledigten: in der Toilette.

In der Zentrale der Bank UBS in Genf fanden Mitarbeiter im Frühjahr 2017 in einer verstopften Toilette 40.000 Euro in zerrissenen 500-Euro-Scheinen. Überwachungskameras zeigten die Silhouetten von drei Frauen und zwei Männern, die mehrfach zwischen den Schließfächern der Bank und den stillen Örtchen hin- und hergegangen waren.

Zerstören von Banknoten kein Delikt

Später fanden sich in einer nahegelegenen Konditorei sowie einem Café ebenfalls Tausende Euros in den Abflussrohren. Die größte Summe fanden Angestellte einer Genfer Pizzeria einen Monat später auf ihrer Toilette: 60.000 Euro, teilweise zerstört, in Plastikbeuteln.

Einer der Männer auf dem Überwachungsvideo meldete sich Monate später bei der Genfer Polizei und sagte, das Geld – insgesamt über 131.000 Euro – seien Ersparnisse der Familie seiner Frau. Sie habe es außerhalb von Spanien gebracht, weil sie sich dort bedroht fühle. Wieso das Ersparte in der Kanalisation landen sollte, erklärte er nicht.

Da er aber die Schäden bezahlte, die an den stillen Örtchen entstanden waren, sah die Polizei keinen weiteren Bedarf für Ermittlungen. Ein Gericht sprach den Mann frei, da das Zerstören von Banknoten in der Schweiz kein Delikt ist und die angerichteten Schäden beglichen wurden.

Vor Weihnachten 2018 wurde entschieden, dass das Geld den Findern gehören soll, es sei denn, die Eigentümerin beansprucht es für sich. Kellner, Putzfrauen und Restaurantbesitzer hoffen nun, dass die spanische Dame sich nicht mehr meldet.